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„Wir sind doch hier nicht in Italien“

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch | vom Dienstag, 28. September 2010 | Elsfleth

Moorriem. Seit gut zwei Wochen rollen die Bagger bei Mode W. Am 10. September hat der Landkreis die Teilbaugenehmigung für die Erweiterung um 794 Quadratmeter Verkaufsfläche erteilt. Doch seit dem Widerspruch dagegen aus Nordenham können sich Wilfried Clausen und dessen Sohn Lars, der Bauherr des Erweiterungsgebäudes ist, darüber nicht wirklich freuen. Zu den Vorwürfen, sie würden versuchen, ihr ursprüngliches Bauvorhaben umzusetzen, nehmen sie im Gespräch mit KZW-Redakteurin Kathrin Weigert Stellung.

„Hier vergleicht man Äpfel mit Birnen“ : Wilfried (links) und Lars Clausen von Mode W vor der Baustelle der Erweiterung des Modehauses. Foto: kan

 Gut anderthalb Wochen nach Erteilung der Baugenehmigung hat Nordenhams Bürgermeister Widerspruch eingelegt. Hat Sie das überrascht?

 Lars Clausen: Ja. Nach vielen Gesprächen und langem Ringen sind wir auf den Kompromiss gekommen. Dass selbst der jetzt noch angefochten wird, ist absolut unverständlich. Hier versuchen einige Leute, uns das Leben schwer zu machen. Wir haben für den Kompromiss viel einstecken müssen. Ursprünglich wollten wir um 2720 Quadratmeter erweitern. Dann hatten wir das Gebäude um 18 Meter gekürzt, um auf eine zusätzliche Verkaufsfläche von 1900 Quadratmetern zu kommen. Jetzt sind wir bei einem Plus von 794 – das ist ein Viertel der ursprünglichen Planung.

In einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden des Nordenhamer Stadtrates nennt Nordenhams Bürgermeister Hans Francksen eine von Ihnen „angestrebte Gesamtnutzungsfläche von 9100 Quadratmetern“. Wie können Sie sich das erklären?

Wilfried Clausen: Das ist ein völlig irrationaler Vergleich. Hier wurden bewusst falsche Zahlen miteinander verglichen. Wir sprechen die ganze Zeit von einer Erweiterung um 794 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Zahl von mehr als 9000 Quadratmetern ergibt sich aus der aus Bestand und Neubau addierten Geschossflächenzahl, die ein rein statistischer Wert ist. Das hat nichts mit der Verkaufsfläche zu tun.

Wo liegt genau der Unterschied zwischen Verkaufsfläche und Geschossflächenzahl?

Lars Clausen: In der Geschossflächenzahl sind alle Flächen enthalten, die bebaut werden. Sogar die Außenmauern werden hineingerechnet. Außerdem die Wohnungen meiner Eltern und Großeltern, die seit Jahren existieren, und die ja nun gar nichts mit der Erweiterung zu tun haben.

Wilfried Clausen: Dazu kommen Installations- und Lüftungsschächte, Stützwände, Fahrstuhlschächte, Räume für Heiz- und Klimatechnik, Technikräume, in denen nur Rohre liegen, Bügellager, EDV-Räume, Putzmittelräume, Personaltoiletten.

Lars Clausen: Und sogar Flächen ohne Boden. Denn bei der Geschossflächenzahl wird das Erdgeschoss einfach multipliziert um die weiteren Geschosse oder um den Keller. Wenn wir also, wie im bestehenden Gebäude, eine Galerie einrichten, wo kein Mensch laufen kann, wird sie dennoch zur Geschossflächenzahl gerechnet. Das alles sind aber Flächen, die niemals von einem Kunden betreten werden können. Da vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Wie bewerten Sie den Verdacht von Hans Francksen, Sie versuchten, Ihre ursprüngliche Erweiterung abseits der Absprachen umzusetzen?

Wilfried Clausen: Das ist eine ganz böswillige Unterstellung. Wir haben den Eindruck, dass Herr Francksen Einzelinteressen von Geschäften vertritt. Da er früher Chef der Nordenhamer Wohnungsbaugesellschaft war, müsste er wissen, was diese Zahlen bedeuten. Auch kommt es uns sehr komisch vor, dass Nordenham innerhalb eines Tages nach Erhalt der Unterlagen ein 18-seitiges Widerspruchs- Schreiben aufsetzen kann. Das schafft nicht einmal ein Top-Anwalt.

Lars Clausen: Wenn man sich in der Wesermarsch selbstständig machen und Fuß fassen möchte, muss man wohl gewisse Freunde haben. Aber wir sind doch hier nicht in Italien.

Sie haben sich also nichts vorzuwerfen?

Lars Clausen: Ganz und gar nicht. Der Bauantrag ist ein völlig neuer im Vergleich zu den früheren Planungen. Nach dem Kompromiss beim Landwirtschaftsministerium in Hannover haben wir den neuen Antrag vorgelegt. So, wie der Kompromiss ausgehandelt wurde, haben wir ihn umgesetzt.

Wilfried Clausen: Und der neue Bauantrag wurde ja vom Ministerium in Hannover abermals geprüft, ebenso wie vom Landkreis. Es gab keine Bedenken. Und jetzt wird er von der Stadt Nordenham und deren Bürgermeister Francksen plötzlich in Frage gestellt.

Wie groß wird die künftige Verkaufsfläche sein?

Lars Clausen: So wie vereinbart. Wir haben eine Ist-Verkaufsfläche von 2150 Quadratmetern. Dazu kommen 794 Quadratmeter. Macht zusammen eine künftige Verkaufsfläche von 2944 Quadratmetern.

Wie geht es jetzt weiter?

Wilfried Clausen: Wir sind optimistisch, dass das Recht sich durchsetzt. Aber dieses ganze Hickhack schadet der Wesermarsch ungemein. Nachbarlandkreise lachen über uns.

Lars Clausen: Wenn es hier um ein Atommülllager gehen würde, könnte man diese Aufregung vielleicht nachvollziehen. Aber hier geht es um ein Traditionsunternehmen, das erweitern will.

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