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„Erweitern oder aufgeben“

Quelle: Nordwest Zeitung | vom Freitag, 16. April 2010 | Elsfleth | Seite 45

MODE W Live-Diskussion in Moorriem – Clausen will Perspektive

Volles Haus im Landcafé. Mehr als 80 Zuhörer verfolgten die spannende Gesprächsrunde. VON HANS-CARL BOKELMANN

Diskutierten im Landcafé: Ilona Tetzlaff, Simone Schneider, Günther Vögel, Moderator Otmar Willi Weber, Hartmut Doyen, Wilfried Clausen, Matthias Wenholt und Jörg Wilke (von links). BILD: HANS-CARL BOKELMANN

BARDENFLETH– Heiße Diskussion im Moorriemer Landcafé: Raumordnung oder der Erhalt von Arbeitsplätzen? – Der Konflikt um die Erweiterung des Traditionskaufhauses Mode W in Bardenfleth war das Thema von Nordwestradio unterwegs, das am Donnerstag live ausgestrahlt wurde.

„Wenn wir nicht erweitern können, dann wird das Unternehmen indrei Jahren aufnull heruntergefahren“, sagte Mode- W-Inhaber Wilfried Clausen am Ende der Diskussionsrunde, ander zudemHartmut Doyen (Fachbereichsleiter Bauen -und Sozialwesen Stadt Elsfleth), Günther Vogel (stellvertretender Bürgermeister Elsfleth), Simone Schneider (Braker Tourismus und Marketing), Matthias Wenholt (Bauoberrat Brake), Ilona Tetzlaff (Nordenham Marketing und Tourismus) sowie Jörg Wilke (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wesermarsch) teilnahmen. Moderiert wurde die Runde von OtmarWilliWeber (Nordwestradio), der in dem nach Kaffee und Kuchen duftenden Landcafé von einer Sendung mit dem besten Geruchseindrücken sprach.

Die Vertreter aus Brake und Nordenham sprachen sich am Donnerstag erneut gegen die genannte Erweiterung des Modehauses W im geplanten Umfang aus. Sie befürchten einen Kaufkraftverlust der Zentren Brake und Nordenham.

Wilke konterte damit, dass 55 Prozent der Kunden von Mode W in Bardenfleth gar nicht aus der Wesermarsch kommen und es damit in Brake und Nordenham auch gar nicht zu starken Kaufkraftabflüssen käme. Das belegten auch die in Auftrag gegebenen Gutachten.

„Raumordnung ist nicht erfunden worden, um Unternehmen kaputt zu machen, sagte Elsfleths stellvertretender Bürgermeister Günther Vögel. Er wies darauf hin, dass die Braker selbst für das Ausbluten ihrer Innenstadt verantwortlich seien. „Brake hat mit jedem weiteren Richtfest in der Weserstraße die Innenstadt geschwächt“, betonte Vögel.

Clausen meinte angesichts der verhärteten Fronten: „Wir sollten zueinander finden, wir sollten nicht unnötig Blut vergießen. Im Krieg erleidet auch der Sieger schwere Verluste.“ Und dann fügte er hinzu: „Dieser Betrieb muss einfach bestehen bleiben.“

Ungeachtet der Wortbeiträge stellte Wenholt klar, dass Raumordnung ein Ausbluten der Innenstädte zu verhindern habe. Mode W habe zwar Bestandsschutz, doch die geplante Vergrößerung sei einfach zu massiv.Wilke konterte erneut, dass man in Brake gar nicht über entgangene Gewinne klagen könne. Schließlich verfüge die Stadt an der Unterweser gar nicht über ein solches Angebot.


KOMMENTAR VON HANS-CARL BOKELMANN

Nägel mit Köpfen

Die Stadt Elsfleth hat ihre baurechtlichen Hausaufgaben gemacht. Die Verträglichkeitsgutachten zur Erweiterung des Unternehmens Mode W liegen vor. Das Ergebnis: Kaufkraftverluste für die Nachbarkommunen sind zu vernachlässigen. Die Struktur der Kunden belegt, dass die gesamte Wesermarsch von einem Ausbau des fünftältesten Textilhauses Niedersachsens profitieren wird. Der Worte sind genug gewechselt. Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden, damit die Bagger endlich anrollen können.


DATEN UND FAKTEN

Mode W ist ein Kaufhaus mit Tradition. Seit 150 Jahren und in der sechsten Generation versorgt es die Menschen in der Wesermarsch und umzu mit Heimtextilien.

Das Haus bietet für jedes Alter und jeden Stil Bekleidung und ist damit der einzige Anbieter dieser Größenordnung in Bardenfleth. Nun möchte der Inhaber erweitern, von 2150 Quadratmeter Verkaufsfläche auf 4050 Quadratmeter.

Hintergrund der Erweiterung sind die von den Textilherstellern geforderten Mindestverkaufsflächen.

Das Sortiment soll auch nach der Erweiterung bestehen bleiben, versichert der Inhaber.


Kein Verständnis für plötzliches Protest-Geschrei

MODE W II Vögel und Doyen setzen auf sichere Genehmigung der Erweiterungspläne in Bardenfleth

Gaben sich nach der Diskussion zuversichtlich: Günther Vögel (links) und Hartmut Doyen. BILD: HANS-CARL BOKELMANN

 BARDENFLETH/BON – „Es war schwierig, die komplexe Thematik im Live-Interview herüberzubringen. Aber ich glaube, dass klar geworden ist, dass die Stadt Elsfleth aus raumordnungspolitscher Sicht ihre Hausaufgaben gemacht hat. Die Flächennutzungspläne sind den vorhandenen Strukturen angepasst worden.“ Hartmut Doyen, Fachbereichsleiter, zeigte sich am Ende der Diskussion im Landcafé erleichert.

Und absolut zuversichtlich in Sachen Mode-W-Erweiterung gab sich der stellvertretende Bürgermeister Günther Vögel: „Die Gutachten sind eindeutig. Keine Kommune erleidet ob der Bardenflether Erweiterung großen Schaden. Das plötzliche Geschrei aus Brake und Nordenham ist unverständlich. Die Planungen sind doch bereits seit vielen Jahren bekannt.“ Und noch einmal legte Vögel nach: „Raumordnung darf bestehende Betriebe nicht zerstören“. Doyen fügte hinzu: „Bardenfleth hat sich entwickelt. Es ist keine Dorf-, sondern eine Gemengelage mit vielen Betrieben.“

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