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Doch keine Genehmigung für Mode W

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch | vom Dienstag, 18. Mai 2010 | Elsfleth | Seite 18

Zuständiges Landesministerium sieht nach Monaten des Schweigens im allerletzten Augenblick plötzlich weiteren Gesprächsbedarf

VON THOMAS VOSSKUHL ELSFLETH/BRAKE. Mode W bekommt entgegen den jüngsten Erwartungen vorerst doch keine Genehmigung zur Erweiterung des Modehauses in Bardenfleth. Buchstäblich auf den letzten Drücker hat das für Raumordnung zuständige Sozialministerium in Hannover weiteren Gesprächsbedarf angemeldet.

Zu wenig Platz, um bessere Lieferantenkonditionen bekommen zu können: Mode W in Bardenfleth. Foto: tv

Zuvor hatte Landrat Michael Höbrink (SPD) dem Ministerium eine Frist bis Ende vergangener Woche gesetzt. Sollte sich Hannover bis dahin nicht geäußert haben, so wollte Höbrink den politischen Beschluss des Kreisausschusses von Anfang März zur Erteilung einer Baugenehmigung umsetzen.

Der Landrat selbst war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Mode-W-Chef Wilfried Clausen wollte den Vorgang gestern nicht kommentieren, sondern erst die komplette Stellungnahme aus Hannover abwarten.

Raumordnung steht dagegen

Vorausgegangen waren monatelange, zum Teil heftige Auseinandersetzungen um die geplante Erweiterung des Moorriemer Modehauses. Das will, um bessere Konditionen von den Lieferanten zu erhalten, die Netto-Verkaufsfläche von derzeit 2150 auf 4050 Quadratmeter erweitern. Kommt dies nicht, so Clausen, sei das Unternehmen mit seinen derzeit 45 Beschäftigten nicht länger wettbewerbsfähig: „Und dann werde ich den Laden in den nächsten drei Jahren runterfahren – und zwar auf Null“, sagt der Chef des 150 Jahre alten Familienunternehmens.

Das wäre den Einzelhändlern vor allem in Brake und Nordenham durchaus recht. Denn sie fürchten um Kaufkraftabfluss aus ihren Innenstädten. Bis zu 35 Prozent Umsatzssteigerung würde eine Erweiterung bei Mode W mit sich bringen, meinen sie. Das Modehaus selbst hat ein Gutachten vorgelegt, wonach der Kaufkraftabfluss Richtung Bardenfleth lediglich drei Prozent beträgt.

Die Gegner des Projektes argumentieren mit der Raumordnung. Die sieht große Einzelhandelsflächen nur in sogenannten Mittelzentren wie Brake oder Nordenham vor – nicht aber auf den platten Land in Moorriem.

Zielabweichung möglich

Allerdings kann die Raumordnung umgegangen werden – und zwar mit einem sogenannten Zielabweichungsverfahren. Und genau diese Hintertür bringt das zuständige Ministerium jetzt wieder ins Spiel: „Die Genehmigungsfähigkeit des oben genannten Vorhabens setzt eine Einigung über die raumordnerische Zielabweichung voraus. Diese liegt zurzeit noch nicht vor. Deshalb sollen hierzu weitere Gespräche geführt werden“, zitiert der Landkreis in einer dürren Pressemitteilung aus dem Ministeriumsschreiben.

Das muss übrigens erst gestern im allerletzten Augenblick im Kreishaus in Brake eingetroffen sein. Laut Mitteilung des Landkreises trägt das Schreiben das Datum vom vergangenen Freitag. Wäre der Brief gestern nicht eingetroffen, hätte Höbrink nach zuvoriger eigener Aussage gestern die Baugenehmigung erteilt.

Nun geht die Hängepartie um Mode W in die nächste Runde.

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