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Ablehnung durch „eine diplomierte Geografin“

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch | vom Mittwoch, 27. Oktober 2010 | Elsfleth | Seite 19

Die Auseinandersetzung um ModeW und die politischen Folgen – Schwere Vorwürfe gegen Oldenburger IHK-Geschäftsführerin

MOORRIEM. Der Tag nach der endgültigen Entscheidung für die Erweiterung von ModeW: Gestern hat Nordenhams Bürgermeister Hans Francksen wie angekündigt seinen juristischen Widerstand gegen die Drei-Millionen- Investition offiziell zurückgezogen – und Mode-W-Geschäftsführer Wilfried Clausen zeigte sich „erleichtert, dass die Vernunft gesiegt hat“.

Damit ist eine fast dreijährige zum Teil erbitterte Auseinandersetzung zu Ende gegangen. Sie wurde zunächst lange hinter verschlossenen Türen und in den letzten Monaten schließlich öffentlich geführt – mit teilweise harten Bandagen. Zuletzt hatte Nordenhams Bürgermeister Francksen (parteilos) dem Vorsitzenden des Kreistages, Ernst Tannen (CDU, Nordenham), der sich für ModeW engagiert hatte, öffentlich „Giftmischerei“ vorgeworfen. Dem Ratsherrn Horst Wreden warf Francksen an den Kopf, „einen Dolchstoß von hinten“ verübt zu haben. Francksen wiederum war und ist überzeugt, die Interessen des Einzelhandels seiner Stadt vertreten zu haben.

Dass es überhaupt zu dieser harten Auseinandersetzung gekommen war, dafür haben die Modehaus-Geschäftsführer Wilfried und Lars Clausen einen Schuldigen ausgemacht. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Oldenburg, genauer: deren Geschäftsführerin Carola Havekost. „Die diplomierte Geografin hat in wirtschaftlichen Fragen keine sachgerechte Auskunft gegeben“, so Wilfried Clausen gegenüber der Kreiszeitung. Damit spielt Clausen auf das Zielabweichungsverfahren in der Raumordnung an. Denn nur mit einer solchen Verfahren hätte die Erweiterung auf der grünen Wiese trotz der gegenteilig lautenden Raumordnung durchgebracht werden können. Doch das sei am Oldenburger Widerstand gescheitert.

Danach hätte die IHK, sagt Clausen, alles unternommen, um die Erweiterung zu verhindern. Sie habe Verbündete in der Bauverwaltung des Landkreises in Brake gefunden. Es sei „mit falschen Zahlen operiert worden“, Insiderwissen sei an Mitbewerber weitergegeben worden.

Was zunächst wie ein interner Konflikt aussah, war da längst zu einem öffentlichen Problem über die Grenzen des Landkreises hinaus geworden. Das hatte die Wesermarsch-Politiker aufgeschreckt, die um ihren Landkreis als Wirtschaftsstandort fürchteten, weil potenzielle Investoren durch die Vorgänge um ModeW abgeschreckt werden könnten.

Nun wollen Kreispolitiker die Baubehörden hinsichtlich der Genehmigungspraxis und der personellen Ausstattung überprüfen. Und die IHK soll ebenfalls nicht ungeschoren davon kommen. Denn auch in Oldenburg haben einige Politiker noch offene Rechnungen mit der mächtigen Interessenvertretung. Oldenburgs CDU-Kreisverband hat auf dem jüngsten Parteitag der Niedersachsen- CDU einen Antrag durchgebracht, wonach die Industrie- und Handelskammern ihr Vetorecht bei Zielabweichungsverfahren verlieren sollen. Wilfried Clausen: „Ich begrüße dies außerordentlich.“ (tv)

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