Ein Familien-Unternehmen mit langer Tradition

Ein Familien-Unternehmen mit langer Tradition

Die Geschichte des traditionsreichen Bardenflether Textilhauses begann 1860.

Drei Jahre, von 1857 bis 1860, war der aus Friesland stammende Blaufärber Jürgen Wessels ähnlich wie die Handwerkskollegen der Zimmermannszunft in Deutschland auf Wanderschaft, von Rostock und Wismar über Braunschweig und Berlin bis hin nach Passau und Altötting, um sich schließlich in Elsfleth in der Mühlenstraße 215 (heute Mühlenstraße 21) mit einer eigenen Färberei selbständig zu machen.

Jürgen Wessels erwarb das Haus in der Elsflether Mühlenstraße mit geliehenen 2000 Reichsthalern in Gold. Als Sicherheit galten dem Verleiher, Schmiedemeister Gerhard Henkensiefken, das Haus sowie das gesamte Eigentum des Färbers.

Zu den Kunden zählten Gerichtsaktuare und Rechnungssteller, Blockmacher, Weber, Schlaf- und Heuerbaas, Kahnschiffer, viele Kapitäne, Navigationslehrer, Lohgerber, Bierbrauer, Putzmacherinnen oder Grenzaufseher.

1880 verließ Jürgen Wessels Elsfleth, um in Bardenfleth eine größere Blaufärberei zu übernehmen. Nicht nur der größere Handwerksbetrieb war der Grund. Als vorteilhaft stellte sich auch die Vielzahl der Schneiderbetriebe in der näheren Umgebung heraus. Neben der Färberei gab es im Sortiment Stoffe und Nähzutaten, wie Garne, Nadeln, Knöpfe oder Schnallen. Handgefärbt wurden Kattune, Köper, Wollstoffe, sowie selbstgesponnene Wollstränge der Kundinnen hauptsächlich mit blauer Farbe, aber auch mit Schwarz, Braun, Silber und „Roth“. Grundsätzlich wurde angeschrieben, Zahltage waren im Frühjahr und im Herbst. Es kam aber auch vor, dass ein Tischler seine Rechnung mit einer Truhe oder einem Schrank beglich.

1888 wurde der Moorriemer Betrieb erweitert. Das Kurzwarensortiment wurde vergrößert und schließlich gab es bei Wessels auch Schürzen, Taschentücher, Unterwäsche, oder Wintermützen fertig zu kaufen.

Jürgen Wessels hatte inzwischen sein Geschäft an seinen Sohn Heinrich übergeben. In der Zeit des Ersten Weltkrieges stellte Wessels die Färberei nach und nach ein. 1920 übernahm der Sohn Karl Wessels die Firma.

Eingang Mode W im Jahr 1927

Er setzte verstärkt auf den Verkauf von fertig eingefärbten Tuchen, und das in großem Ausmaß. Auf zweimal 20 Metern Breite stapelten sich die Stoffballen bis zur Decke. In den 30-er Jahren wurde der Betrieb nochmals vergrößert. Der kinderlose Karl Wessels ermunterte 1945 seinen Neffen Hermann Clausen, als Teilhaber in das Geschäft einzutreten. Ende der 50-er Jahre wurde es ihm überschrieben. 1956 wurde eine Bettenreinigung eingerichtet und das textile Sortiment mit Schuhen und Spielwaren, Glas und Porzellan ergänzt. Davon hat man sich dann später wieder getrennt.

1976 stiegen Hermann Clausens Sohn, Textilbetriebswirt Wilfried Clausen und seine Ehefrau Erika, ins Geschäft ein. In der sechsten Generation ist Sohn Lars seit Oktober 2004 Mitinhaber.

1997 wurde mit einem Anbau an das Stammhaus die Möglichkeit geschaffen, Mode, Wäsche und Accessoires für die ganze Familie auf zwei Etagen zu präsentieren und Markenlabels renommierter Hersteller attraktiv in Szene zu setzen.

Ansicht des heutigen Haupteingangs von Mode W

Heute ist „Mode W“ mit über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Moorriemer Bereich und in der Region einer der größten Arbeitgeber.

In der Rangliste „Traditionsreiche Unternehmen“ des Verlags markt intern ist Mode W unter den fünf ältesten Textilgeschäften Niedersachsens.

Zeitliche Entwicklung in Stichpunkten:

1860 Gründung der Firma als Blaufärberei. Es wurden Stoffe und Wollstränge im Stück gefärbt und Stoffe zum Teil bedruckt. Der Gründer war Jürgen Wessels.

1880 Betriebsvergrößerung

1888 Neubau. Die Werkstatt wurde vergrößert und eine räumlich geteilte Ladenfläche kam dazu. Außerdem wurde das Sortiment erheblich vergrößert in Knöpfen, Nähgarnen, Schnallen, Nadeln und sonstigem Nähzubehör. Das Stoffsortiment wurde ebenfalls erheblich vergrößert.

1905 Heinrich Wessels, Sohn von Jürgen Wessels, übernahm die Firma.

1920 Karl Wessels, Sohn von Heinrich Wessels, übernahm die Firma.

1931 Ladenanbau. Die Verkaufsfläche wurde um ca. 60 qm vergrößert und damit mehr als verdoppelt. Das Sortiment an Stoffen vergrößerte sich erheblich, da jetzt vermehrt Stoffballen dazu gekauft wurden.

1938 Ca. 200 qm Verkaufsfläche wurden angebaut.

1940 Kriegsbedingt wurde die Verkaufsfläche verkleinert.

1945 Der Neffe Hermann Clausen (Mutter Emma Clausen geb. Wessels) übernahm die Firma, da die Ehe von Karl Wessels kinderlos blieb.

1945/46 Tauschzentrale für größtenteils getragene Marine-Kleidung.

1946 Währungsreform. Vergrößerung der Verkaufsfläche auf die ursprüngliche Größe.

1952 Anbau von vier zusätzlichen Schaufenstern.

1956 Anbau der Bettenabteilung und Bettenreinigung. Das Warenlager bestand überwiegend aus Stoffen. Anzüge, Kleider, Kittelschürzen und Schürzen wurden überwiegend in Zwischenmeisterbetrieben in Oldenburg, Wardenburg, Hude, Wiesmoor und Wilhelmshaven für den Betrieb hergestellt. Anzüge und Kleider wurden nach Maß gefertigt.

1965 Der Betrieb hatte bereits 14 Vollzeitbeschäftigte. Hätten die Stoffe als Fertigkonfektion im Laden gehangen, so hätte die 310 qm große Verkaufsfläche fünfmal so groß sein müssen.

1976 Wilfried Clausen (Sohn von Hermann Clausen) wurde Teilhaber und Geschäftsführer. Das Geschenkartikel-Sortiment wurde aus Platzgründen jetzt im Keller präsentiert. Die Verkaufsfläche beträgt jetzt 364 qm.

1978 Aus Platzgründen wurde das Geschenkartikelsortiment und das Schuhsortiment aufgegeben. Außerdem hat der örtliche Schuster sein Schuhsortiment ausgebaut. Das Stoffsortiment wurde weiter verringert.

1981 Neubau. Die Verkaufsfläche wurde um ca. 450 qm vergrößert. Stoffe wurden auf Grund der Nachfrage ganz aus dem Sortiment genommen.

1985 Zwei seitliche Anbauten. Die Verkaufsfläche wurde um 150 qm vergrößert.

1997 Neubau mit Zwischengang. Die gesamte Verkaufsfläche beträgt jetzt ca. 1800 qm

2000 Im Obergeschoß des Anbaus werden 350 qm zur Verkaufsfläche für das Sortiment Wäsche, Baby- und Kindermode sowie Haus- und Heim-Textilien genutzt.

2004 Lars Clausen (Sohn von Wilfried Clausen) wird Mitinhaber. Hermann Clausen tritt als Gesellschafter aus der Firma aus, arbeitet aber mit seiner Frau Hilde nach wie vor in dem Betrieb.